22 Jan '13

[…] Sebastian Gruner hat das Schicksal der Geschwister Scholl in Gestalt einer eindringlichen szenischen Kantate inszeniert. […] Hans-Günter Säbel schuf eine beklemmende Atmosphäre, in der die beiden großen Hakenkreuzflaggen schnell herunter stürzen.

Übrig bleiben Stellwände, die immer beängstigender näher rücken, bis am Ende jeder in seiner Einzelzelle den Tod erwartet. Tatiana Tarwitz entwarf für die beiden Darsteller dunkelblaue Anzüge, die den Bezug zur Gegenwart herstellen, aber auch den dunklen Abendanzug und die festliche rote Robe für das kurze Traumspiel.[…] Am Ende sind die Kerzen erloschen, es gibt keine letzte Zigarette und keine Verkleidung mehr. Im Zuschauerraum gehen die Lichter an, während Sophie die Mahnung an die Nachgeborenen spricht. Denn gemeint sind wir alle, wenn die dröhnende Marschmusik den „millionenfachen Jubel von Lüge“ (Udo Zimmermann) beklemmend kommentiert.